Vortrag von Hans-Joachim Bannier
Zu Gast im Bürgerhaus Fischbach
Veranstaltet vom OGV Fischbach

Am 31.5.26 lud der OGV Fischbach interessierte Streuobstwiesenbesitzer und benachbarte Obst- und Gartenbauvereine zu einem Vortrag über das Thema Streuobstwiesen im Klimawandel ein.
Der Referent Hans-Joachim Bannier, Pomologe aus Bielefeld und führender Experte für alte Apfel- Birnen und Süßkirschensorten, leitet seit rund 30 Jahren das Obst Arboretum Olderdissen mit seinen mittlerweile über 300 verschiedenen Apfel- und zahlreichen alten Kirschen-, Pflaumen-, und Aprikosensorten.
In seinem Vortrag ging er auf viele Aspekte des Klimawandels ein:
Welche Einflüsse die Gegebenheiten heutzutage besonders prägen, praxisbezogene Methoden und Möglichkeiten, Vor- und Nachteilen zu begegnen, erprobte, bewährte Ansätze wie auch neue.
Ein wichtiger Aspekt für gesunde Bäume auf Streuobstwiesen allgemein – aber auch in Hausgärten – ist die Anfälligkeit für verschiedene Krankheiten.
So ist es essentiell, bei der Auswahl auf Sorten zu achten, die wenig anfällig gegen wichtige Krankheiten sind, wie zum Beispiel Monilia, Schorf, Krebs, Mehltau oder auch Birnenverfall.
Hier ist es gut zu wissen, dass neuere Züchtungen wie Topas, Pinova, Rubinette, Braeburn, Jonagold, Gala uvm. zwar auf eine Schorfresistenz getrimmt wurden, diese aber mit der Zeit wieder verschwindet. Zudem sind solche Sorten anfällig gegen neuartige Krankheiten, die erst in jüngerer Zeit auftreten.
Die Empfehlung geht klar hin zu alten, bewährten Obstsorten. Diese sind an die lokalen Bedingungen perfekt angepasst und haben eine bessere Abwehr gegen die typischen Krankheiten.
Zukünftig werden vermutlich bestimmte Lagen aus der obstbaulichen Nutzung herausfallen, darunter auch Südhänge. Nordhänge dagegen, die häufig als klimatisch ungünstig gelten, rücken mehr in den Fokus. Auch Waldränder und unter bestimmten Umständen geschlossene Lagen werden interessant für den extensiven Streuobstbau.
Als wasserhaltende Maßnahmen brachte Hans-Joachim Bannier verschiedene Ansätze ins Spiel:
Humusaufbau und eine höhere Pflanzdichte, um mehr Feuchtigkeit im System zu halten. Lockere Heckenpflanzungen an windigen Standorten und große Bäume als schattenspendende Zwischenpflanzungen.
Auch die Anlage von Wasserreservoirs und Gräben, die bei Starkregen das Wasser zurückhalten und an die Bäume leiten kann in der Praxis entscheidend sein.
Es gibt noch weitere wichtige Möglichkeiten, um Bäume zu stärken und fit zu machen, um Hitze und Niederschlag zu begegnen.
Bäume sollen generell nicht zu kahl geschnitten werden, um Sonnenbrand zu vermeiden. Außerdem schützt ein Stammanstrich Kalken, Stammbegrünung/-beschattung) vor Frost- und Hitzeschäden.
Wenn spätblühende Sorten gepflanzt werden, können die meisten Spätfrostereignisse vermieden werden.
Starkwüchsige Sorten haben in aller Regel einen besseren Wasserzugang.
Schon bei der Pflanzung können einjährige Unterlagen, die vor Ort veredelt werden, gegenüber mehrfach verschulten Baumschulbäumen durch ihre unbeschädigte Tiefwurzel punkten.
Andere Arten können auch vom Klima profitieren. Als Beispiel seien Walnuss und Kastanie, Aprikose und Feige genannt. Bevor man sich aber für deren Anbau entscheidet, ist dringend angeraten, die Eigenheiten, Krankheiten und Probleme dieser Arten zu bedenken sowie auch die Verarbeitung, für die teils ganz neue Vertriebswege aufgebaut werden müssen.
Fazit:
Der Klimawandel ist nicht das Aus für Streuobst, sondern eine Chance, anders zu denken und sowohl bewährte als auch neue Wege zu beschreiten, zu kombinieren und daraus Ideen zu entwickeln.
Nach dem Vortrag kam es noch zu einer längeren Aussprache der anwesenden Streuobstwiesenbesitzer und OGVs mit dem Referenten über mögliche Ansatzpunkte, Streuobstbau fit für den Klimawandel zu machen.
Für den aufschlussreichen Vortrag mit vielen praxisorientierten Ansätzen danken wir Herrn Bannier herzlich.
