Mistelbaum
Aktuelles Pflege & Erhalt von Streuobst

Die Mistel in Obstbäumen: Ein Parasit mit Folgen

Mit diesem Artikel möchte der OGV Fischbach auf das Problem der Misteln und deren Verbreitung aufmerksam machen.

Aber mal ganz langsam: Was sind Misteln überhaupt und warum sind sie schädlich?

Die Weiße Mistel (Viscum album) ist die in Mitteleuropa bekannteste Art. Es handelt sich um einen immergrünen Halbschmarotzer, der kugelförmig in den Baumkronen wächst. Es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Halbschmarotzer betreiben eine eigene Photosynthese, zapft jedoch die Leitungsbahn en des Wirtsbaumes an. Dadurch entzieht sie ihrem Wirtsbaum – typischerweise Apfel-, Birn- oder Kirschbäume sowie vor allem Pappeln und Linden – jedoch dauerhaft Wasser und Nährstoffe über spezialisierte Saugorgane, sogenannte Haustorien.

Querschnitt Ast mit Mistel
Querschnitt Ast mit Mistel

Der ständige Entzug (auch im Winter) schwächt den Baum, verringert den Fruchtertrag und macht ihn anfälliger für Krankheiten und Trockenstress. Langfristig führt dies zum Absterben einzelner Äste bis hin zum gesamten Baum.

Ihre Verbreitung erfolgt hauptsächlich durch Vögel, insbesondere der Misteldrossel. Die Vögel fressen die klebrigen Beeren und streifen die Samen an Ästen ab oder scheiden sie aus, wodurch sie auf neue Bäume gelangen.

Die zunehmende Verbreitung wird durch milde Winter, Trockenperioden, aber auch eine mangelhafte Baumpflege begünstigt. Obstbäume sind besonders betroffen, da ihre lockeren, nicht ganz so hohen Kronen gute, geschützte Anflugplätze für Vögel bieten. Aber auch Alleebäume und Forste werden befallen.

Was können wir jetzt aktiv tun? Bekämpfung und Vorbeugung

Die gute Nachricht: Misteln stehen nicht unter Naturschutz. Ihre Entfernung ist erlaubt. Bei stärkerem Befall ist Handeln sogar dringend notwendig. Da eine chemische Bekämpfung nicht zielführend und praktisch unmöglich ist, müssen die Misteln mechanisch – durch Baumschnitt – entfernt werden.

  • Frühes Eingreifen: Eine regelmäßige Kontrolle der Bäume ist essenziell.
  • Fachgerechter Schnitt: Befallene Äste <5cm Durchmesser sollten mindestens 30 bis 50 cm unterhalb der sichtbaren Mistel in das gesunde Holz geschnitten werden, um sicherzustellen, dass keine Haustorien zurückbleiben. Starkäste bedürfen einer besonderen Behandlung.
  • Entsorgung: Abgeschnittene Misteln mit Beeren (weibliche Pflanzen, fruchten ab 5. Jahr) sollten über den Restmüll entsorgt oder verbrannt werden. Die Entsorgung besser nicht über den Kompost oder Grünschnittplatz vornehmen, um eine weitere Verbreitung der Samen zu verhindern.

Der Kampf gegen die Mistelplage ist mühsam und anstrengend. Hat man sein Grundstück mit viel Mühe gesäubert, schaut über die Grundstücksgrenze und sieht, das Problem kommt direkt zurück von Nachbarbäumen, führt das zu Frust und möglicherweise dem Gedanken der Sinnhaftigkeit seines Tuns.

Der OGV Fischbach steht bereit

Bevor man ans Aufgeben denkt, sollte man mit den freundlichen und engagierten Mitstreitern des OGV Fischbach in Kontakt treten. Hier stehen Menschen bereit, die den Kampf aufgenommen haben und Sie, liebe Grundstücksbesitzer und -Nachbarn, suchen, um eine erste Aufwandsschätzung vorzunehmen. Das Ziel ist, auf dem Stadtgebiet langfristig eine nachhaltige Bekämpfung der Mistelplage zu erreichen.

Zu diesem Zweck finden Sie hier einen Link, über den sie Ihr Grundstück zur Mistelbefreiung registrieren können: Grundstücksregistrierung

Da die Suche nach Grundstücksbesitzern sehr arbeitsintensiv und häufig nicht zu leisten ist, freuen sich die Mitglieder sehr, wenn Sie Kontakt aufnehmen, falls Sie betroffene Grundstücke kennen und Angaben zu deren Besitzern machen können. Der OGV bedankt sich für ihre Unterstützung.

Kontakt: misteln@ogv-fischbach.de

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1 Kommentar

  1. Helmut Lenz sagt:

    Sehr guter und fachlich fundierter Beitrag.
    Wenn wir es schaffen Kelkheim weitgehend mistelfrei zu bekommen haben wir einen existenziell wichtigen Beitrag zum Erhalt unsere Obstbaumkultur geleistet. Packen wir es an!

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